Nicolas Born-Stiftung

Nicolas Born-Stiftung (Lüchow)
– Archiv im Künstlerhof Schreyahn –
Nicolas Born-Stiftung Vorsitzende Dagmar Schulz

 

Gründung
Im Landkreis Lüchow-Dannenberg, dem Hannoverschen Wendland, wurde am 14. 7. 2000 die Nicolas Born-Stiftung errichtet, die zu Ehren des Schriftstellers Nicolas Born tätig ist, der von 1972 bis zu seinem Tod im Jahre 1979 hier ansässig war und seine wichtigsten Werke schrieb.
Die mit einem beträchtlichen Grundkapital ausgestattete Stiftung geht auf die Privatinitiative einer ansässigen Bürgerin zurück und hat ihren Sitz bewußt in Lüchow im kulturell regen Wendland gewählt.

Zweck
Die Stiftung sieht als Zweck die „Pflege und Förderung zeitgenössischer Literatur und Literaturwissenschaft im Geiste Nicolas Borns“ vor, gedacht ist an Stipendien, Druckkosten- und Förderzuschüsse sowie Veranstaltungen. Vereinbart wurde auch die Kooperation mit der benachbarten „Niedersächsischen Stipendiatenstätte Künstlerhof Schreyahn“, die auch das Nicolas Born-Archiv aufgenommen hat.

Organe
Dem dreiköpfigen Stiftungsrat gehören je ein Vertreter der Leuphana Universität Lüneburg, der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg sowie der Bürgermeister der Samtgemeinde Lüchow an.
Der Vorstand, der die Geschäfte der Stiftung führt, setzt sich aus dem Vorsitzenden und seinem Stellvertreter zusammen.

Tätigkeiten
Die Nicolas Born-Stiftung trat in den Jahren nach ihrer Gründung als Trägerin literarischer Veranstaltungen auf, so wurde auf dem Künstlerhof Schreyahn der Born-Roman „Die Fälschung“ erstmals komplett an zehn Sonntagen durch den Schauspieler Wolfgang Kaven vorgetragen (2001), in den Jahren darauf erfolgte am gleichen Ort die vollständige Lesung der Grass-Novelle „Im Krebsgang“, der Erzählung „Am Beispiel meines Bruders“ von Uwe Timm und des Romans „Eine Frau, eine Wohnung, eine Roman“ von Wilhelm Genazino. Später folgten themenorientierte Matinee-Lesungen („Literaturnobelpreisträgerrinnen“, „Klassiker der Moderne“).

Die Stiftung förderte auch die Vertonung und Schreyahner Uraufführung einiger Gedichte Nicolas Borns durch den Komponisten Gerald Humel (CD-Produktion). Andere Lesungen und Konzerte in Zusammenarbeit mit dem Künstlerhof ergänzten die Aktivitäten. Finanzielle Unterstützung leistete die Born-Stiftung u.a. auch beim „Lüchow-Dannenberger Bücherfrühling“.

Die jeweils besten Abiturienten des Faches Deutsch auf den Gymnasien im Landkreis werden jährlich mit Buchprämien der Stiftung ausgezeichnet.
2005 wurde der Schülerwettbewerb „Gras stürzt, die Gärten stürzen – Nicolas Born – der Dichter in seiner Wahlheimat“ in Zusammenarbeit mit der KSK Lüchow-Dannenberg ausgeschrieben.

Die von Katharina Born herausgegebene Sammlung der Gedichte Nicolas Borns im Wallstein Verlag (s.u.) wurde von der Stiftung finanziell gefördert.

2008 veranstaltete die Stiftung zusammen mit der Leuphana Universität Lüneburg eine wissenschaftliche Tagung zu Nicolas Born. Der Tagungsband „Nicolas Born und die politische Literatur, 1967-1982“. Hg. von S. Kramer und M. Schierbaum, Berlin 2010, versammelt alle Beiträge.
Im November 2010 folgte die zweite Konferenz zum Thema „Spuren der Zeitgeschichte im Kulturraum Elbe“.
2012 waren dann „Neue Naturverhältnisse in der Lyrik der Gegenwart“ das Thema, für 2014 ist eine Tagung über „Nicolas Born und Rolf Dieter Brinkmann“ geplant.
Für das Archiv konnten u.a. zwei in der Briefausgabe nicht erfasste Briefe Nicolas Borns an Heinrich Vormweg erworben werden.
2013 trat die Stiftung der „Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG)“ bei.
http://www.alg.de/

Archiv
In einer Kooperationsvereinbarung vom 6. 3. 2001 zwischen der Stiftung und der Niedersächsischen Stipendiatenstätte Künstlerhof Schreyahn ist festgelegt, dass die Stiftung ihr Nicolas Born-Archiv als separaten Teilbereich im Archiv des Künstlerhofes einrichtet (siehe Abb.).
Im Archiv finden sich die Erstausgaben des Werkes Nicolas Borns, zahlreiche fremdsprachige Ausgaben (arabisch, niederländisch, schwedisch), eine Sammlung der Zeitschriftenaufsätze und Artikel des Autors, Veröffentlichungen aus dem Umfeld Borns (Buch, Bremer, Handke), Sekundärliteratur (Dissertationen), Fotos, Autographen, Tonträger und Erinnerungsstücke. Auch der niedersächsische Nicolas-Born-Preis (Literatur) ist dokumentiert. Das Archiv kann nach Absprache (s. u.) genutzt werden. Über das Findbuch auf dieser Homepage kann der Bestand erfragt werden

Über Nicolas Born
Nicolas Born war in den siebziger Jahren durch seine Lyrikbände („Das Auge des Entdeckers“, 1972 u.a.) und vor allem durch seinen Roman „Die Fälschung“ (1979) bekannt geworden, den Volker Schlöndorff verfilmte.
Seinen Wohnsitz nahm Born, wie viele andere seiner Kollegen auch, bewußt im Wendland, das einerseits im Ruf stand, als Künstlerkolonie ein „zweites Worpswede“ zu werden, andererseits durch die atomaren Entsorgungsanlagen bei Gorleben in die Schlagzeilen geriet. Die Gedichte „entsorgt“ und „Elbholz“ beziehen sich auf die Landschaft und die Konflikte in der Region. Auch der Roman „Die Fälschung“ enthält viele Passagen, die im Wendland spielen.
Auf dem Friedhof des Elbdorfes Damnatz liegt das Grab Nicolas Borns, der zuletzt in Breese/Marsch wohnte. Die Stadt Dannenberg/Elbe zeigt in der Remise am Waldemarturm eine kleine Ausstellung zu Borns Leben und Werk, die dortige Bücherei trägt den Namen „Nicolas Born Bibliothek“.
Die Erschütterung über den frühen Tod Borns mit 41 Jahren fand ihren Niederschlag in zahlreichen Nachrufen, Erinnerungen, Porträts und Epitaph-Gedichten, unter anderem von Günter Grass, Peter Handke, Günter Kunert und Peter Rühmkorf, versammelt in dem Gedenkbuch „Der Landvermesser“ (hg. C. Beyer/A. Kahrs, 1999).
Im Jahr 2000 hatte der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur , Thomas Oppermann, entschieden, den Kunstpreis des Landes für Literatur als Nicolas Born-Preis zu vergeben, die Preisträgern sind Adam Seide, Jan Philipp Reemtsma, Walter Kempowski, Peter Rühmkorf, Felicitas Hoppe, Klaus Modick, John von Düffel, Hans Pleschinski, Henning Ahrens und Gerd Peter Eigner.
2004 erschien die Lyrik-Werkausgabe „Nicolas Born, Gedichte“, herausgegeben von Katharina Born, Göttingen, Wallstein-Verlag. Die zweite Auflage (2005) ist überarbeitet und verbessert (einige fälschlicher Weise Born zugeschriebene Gedichte wurden entfernt).
2005 wurde Nicolas Born posthum mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet.
Im „Schreibheft“ Nr. 65/2005 (Hg. N. Wehr) erschien der Briefwechsel Nicolas Born/Peter Handke unter dem Titel „Die Hand auf dem Brief“, ergänzt durch eine Erinnerung der Born-Tochter Katharina, ein Nachwort von Hermann Wallmann und (im Anhang) die Huchel-Preis-Laudatio Michael Brauns auf Nicolas Born.
2007 erschien ein Band der Briefe Nicolas Borns im Wallstein Verlag (NB, Briefe 1959 – 1979“, Hg. Katharina Born); ein Themenheft der Zeitschrift „Text & Kritik“ widmete sich Nicolas Born 2006 (Heft 170).
Im Heft 3/Juni 2011 druckte die Zeitschrift „Akzente“ die Abschrift der Tonbandaufnahme „Erzählung – Krankheit, Stadtwiese, Gorleben“, die Nicolas Born im Frühjahr 1979, also wenige Monate vor seinem Tod, aufnahm (Vorabdruck in der Süddeutschen Zeitung vom 4./5. Juni 2011): ein eindrucksvoller Schlüsseltext zum Verständnis dieses Schriftstellers.

Hier können Sie das Findbuch als PDF herunterladen.

Kontakt/Informationen:
Dagmar Schulz (Vorstandsvorsitzende Nicolas Born-Stiftung), Bergstr. 24, 29439 Lüchow (Wendland)