Sturm und Stille – Jochen Missfeldt liest aus seinem Roman

20 Jahre ist es her, dass Jochen Missfeldt als Stipendiat in Schreyahn gewesen ist und hier seinen Roman Gespiegelter Himmel begann. Er blieb dem Künstlerhof stets verbunden und kehrt nun zurück um aus seinem letzten Roman Sturm und Stille zu lesen: In Sturm und Stille erzählt Jochen Missfeldt von der Liebe zwischen Theodor Storm und seiner späteren Ehefrau Doris Jensen. 1846, kurz nach seiner Hochzeit, geht der Dichter Theodor Storm eine Liebesbeziehung mit Doris Jensen ein, Tochter eines Husumer Senators. Dessen Familie zählt, wie auch Storms, zum Husumer Patriziat: Man besucht sich, unterhält bei Tee und Punsch, Whist und L’Hombre freundschaftliche Beziehungen. Die Liebe zu Doris ist für Storms junge Ehe eine schwere Belastung. Erst 1848, seine Frau Constanze ist im dritten Monat schwanger, geht Doris auf Druck der Familienoberen von Husum fort. In seiner Storm-Biografie wird die Liebesbeziehung zwischen Doris Jensen und Theodor Storm zwar beleuchtet, aber die Zeit, die Doris in der „gesellschaftlichen Verbannung“ verbringt, ist wenig dokumentiert. Fünfzehn Jahre lang zieht sie von Ort zu Ort – bis ihr Leben eine unerwartete Wendung nimmt. Es ist die Geschichte einer besonderen Frau, die allen gesellschaftlichen Konventionen zum Trotz ihre eigenen Wege geht. Moderation Axel Kahrs Beginn 19.30 Uhr in der großen Diele – mit...

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Archipel – Inger-Maria Mahlke liest aus ihrem soeben erschienen Roman

„Es ist der 9. Juli 2015, vierzehn Uhr und zwei, drei kleinliche Minuten. In La Laguna, der alten Hauptstadt des Archipels, beträgt die Lufttemperatur 29,1 Grad. Der Himmel ist klar, wolkenlos und so hellblau, dass er auch weiß sein könnte“. Damit fängt es an. Und mit Rosa, die zurückkehrt auf die Insel und in das heruntergewirtschaftete Haus der vormals einflussreichen Bernadottes. Rosa sucht. Was, weiß sie nicht genau. Doch für eine Weile sieht es so aus, als könnte sie es im Asilo, dem Altenheim von La Laguna, finden. Ausgerechnet dort, wo Julio noch mit über neunzig Jahren den Posten des Pförtners innehat. Julio war Kurier im Bürgerkrieg, war Gefangener der Faschisten, er floh und kam wieder, und heute hütet er die letzte Lebenspforte der Alten von der Insel. Julio ist Rosas Großvater. Von der mütterlichen Seite. Einer, der Privilegien nur als die der anderen kennt. Inger-Maria Mahlke ist derzeit als Stipendiatin zu Gast auf dem Künstlerhof. Sie ist in nur wenigen Jahren zu einer der renommiertesten deutschen Schriftstellerinnen avanciert und hat sich mit jedem ihrer Bücher thematisch und formal weiter vorgewagt. In „Archipel“ führt sie rückwärts durch ein Jahrhundert voller Umbrüche und Verwerfungen, großer Erwartungen und kleiner Siege. Es ist Julios Jahrhundert, das der Bautes und Bernadottes, der Wieses, der Moores und González‘ – Familiennamen aus ganz Europa. Aber da sind auch die, die keine Namen haben: Die Frau etwa, die für alle nur ‚die Katze‘ war: unverheiratete Mutter, Köchin, Tomatenpackerin – und irgendwann verschwunden. Denn manchmal bestimmen Willkür, Laune, Zufall oder schlicht: mitreißende Erzählkunst über das, was geht, und das, was kommt. Ein großer europäischer Roman von der Peripherie des Kontinents: der Insel des ewigen Frühlings, Teneriffa. Freitag, 24.08.2018 Beginn 19.30 Uhr in der großen Diele – mit...

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„Hugo Körtzinger in Schnega“ und „Arno Schmidt in Hitzacker“ – zwei Buchpräsentationen und Erkundungen vor Ort

Mit den Neuerscheinungen über den Maler, Musiker und Barlachfreund Hugo Körtzinger einerseits und den Dichter des Monumentalwerkes „Zettels Traum“ andererseits stellt die Stipendiatenstätte in Schreyahn zwei Bücher über Künstler im Wendland in den Mittelpunkt ihrer Veranstaltung, die bislang zu wenig beachtet oder so kaum bekannt waren. Hugo Körtzinger (1892 – 1967), dessen Lebenswerk in seinem Atelier in Schnega eindrucksvoll zu besichtigen ist, wurde lange Zeit in der Regionalkunde vernachlässigt. Erst mit dem von Professor Arne Körtzinger gegründeten Förderverein gelang es seit 2010, das original erhaltene Atelier mit der Orgel und das überlieferte Gesamtwerk des auch literarisch tätigen Künstlers nach einer denkmalgerechten Sanierung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit der Broschüre „Hugo Körtzinger in Schnega“ aus der Reihe „Menschen und Orte“ (Edition A. B. Fischer) haben Helga Thieme und Angelika Fischer nun eine Einführung zur Person und zum Werk Körtzingers erstellt, die in Bild und Text die vielen Facetten des Schnegaer Denkmals erschließt. Arne Körtzinger wird dazu im Künstlerhof Schreyahn seinen Verwandten in einem Bildervortrag vorstellen. Die Autorin Helga Thieme wird zudem aus dem Buch lesen.   Arno Schmidt (1914 – 1979), dessen Lebenswerk an seinem langjährigen Wohnort in Bargfeld bei Celle von einer gleichnamigen Stiftung betreut wird, kam kurz nach der Vollendung seines Hauptwerkes „Zettels Traum“ 1969 für einen Tag nach Hitzacker, nur ein paar dürre Tagebucheinträge seiner Frau und wenige Fotos von ihm vor Ort sind überliefert. Axel Kahrs, langjähriger Leiter des Künstlerhofes, hat über Jahre hinweg minutiös alles zusammengetragen, was den Besuch betrifft. Das Ergebnis ist seine Studie „Arno Schmidt in Hitzacker und an der Elbe“ (Köhring Verlag), die sowohl die Fotos und das Tagebuch, als auch die besuchten Stätten der Stadt wie das Cavaliershaus und die Riesenkastanie präsentiert. In Schreyahn wird der Besuch in Textauszügen, Zitaten und Werkproben, gelesen von dem Schauspieler Wolfgang Kaven, aus dem neuen Buch vorgestellt.   Nach den Buch-Präsentationen und dem möglichen Erwerb eines Exemplars folgt eine Mittagspause mit der Gelegenheit zum Essen, ehe in Schnega (ca. 18 km entfernt) ab 14.30 Uhr ein Besuch des Körtzinger-Ateliers (am Markt 6) angeboten wird, und um 16 Uhr in Hitzacker (ca. 28 km entfernt) eine Stadtführung auf den Spuren Schmidts folgt (ab Parklatz Lanke rechts vor der Brücke). So., 17. Juni 2018, ab 11.30 Uhr im Künstlerhof...

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Stipendiatenlesung: Jens Eisel liest aus seinem Roman Bevor es hell wird

Als Alex aus dem Knast kommt, ist alles anders. Er erinnert sich gut an die schönen Tage in seiner Kindheit, in denen er mit seinem Bruder Dennis um die Backsteinhäuser im Viertel gezogen ist. Daran, wie er den Schiffen auf der Elbe nachgesehen hat, wenn ihre Mutter auf der Arbeit war. Es war keine sorgenfreie, aber eine glückliche Zeit. Bis die Mutter starb. Die alten Häuser gibt es noch. Aber Dennis gibt es nicht mehr. Der ist nach dem Tod der Mutter mit der Bundeswehr nach Afghanistan gegangen. Und als er wieder zurückkam, war nichts wie zuvor. – Wie kein anderer macht Jens Eisel einfache Menschen zu den Helden seiner Geschichten. In seinem ersten Roman erzählt er mit großer emotionaler Kraft von Kiez, zwei Brüdern und einer Verbundenheit, die keine Grenzen kennt. Jens Eisel, geboren 1980 in Neunkirchen/Saar, lebt in Hamburg. Nach einer Schlosserausbildung arbeitete er unter anderem als Lagerarbeiter, Hausmeister und Pfleger. Er studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und war 2013 Finalist beim Literaturpreis Prenzlauer Berg. Mit seiner Story »Glück« gewann er im selben Jahr den Open Mike. Freitag, 20.04.2018 Beginn 19.30 Uhr in der großen Diele – mit...

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Beute – Pauline de Bok liest aus ihrem neuen Buch

Die niederländische Autorin Pauline de Bok, die 2009 durch ihr Buch Blankow oder Das Verlangen nach Heimat berühmt wurde, besucht wieder den Künstlerhof Schreyahn. Bereits 2011 war sie als Stipendiatin in Schreyahn zu Gast und entdeckte hier bei den Recherchen für ihr Buch Die Jägerin eine neue, ungewöhnliche Leidenschaft: die Jagd. Ein Jahr im Rhythmus der Natur – fesselnd erzählt von einer großen Stilistin. Von der ersten Spur bis zum Schuss, vom Aufbrechen des Wildes bis zum Verzehr: Pauline de Bok nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise durch die Welt der Jagd. Ihr glänzend geschriebenes Buch ist zugleich eine Reflexion über die Natur des Menschen als Jäger, die Lust am Beutemachen, das Essen von Tieren und die moralische Verantwortung. Zunächst ist es nur ein Experiment: Um einen Roman zu schreiben, macht Pauline de Bok den Jagdschein. Doch die Jagd weckt etwas in ihr, verändert ihr Leben, sie bleibt Jägerin und zieht sich für ein Jahr in einen umgebauten Kuhstall in Mecklenburg zurück. In dem dort entstandenen Buch berichtet sie von ihrem einsamen Leben inmitten von Feldern, Seen und Wäldern im Rhythmus der Jahreszeiten. Sie beobachtet Wildschweine, Rehe, Damwildrudel, Füchse, Hasen, hält Ausschau nach Wölfen, geht bei Wind und Regen auf Ansitz, beteiligt sich an Drückjagden und verwertet ihre Beute vom Kopf bis zum Schwanz. In ihren mitreißenden Erzählungen erweist sich die Jagd als eine höchst aufschlussreiche Aktivität: Ein Jäger muss sich in die Tiere hineinversetzen, aber er muss sich auch selbst kennen: seine Motive, Fähigkeiten, Schwächen und seinen Jagdinstinkt. Zugleich hält die Jagd einer Gesellschaft den Spiegel vor, die immer mehr Tiere „verbraucht“, aber vom Töten nichts wissen will. Pauline de Boks Jagd-Buch lässt uns ganz neu über das Verhältnis von Mensch und Tier und den Platz des Menschen in der Natur nachdenken. Ein Buch für Nichtjäger – aber auch für Jäger moderiert durch Axel Kahrs Freitag, 23.02.2018 Beginn 19.30 Uhr in der großen Diele – mit...

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„Abschied vom Leben“ ein Thema – ein Buch – ein Dialog

Nein, Tempotaschentücher, Tränen und Trauerklöße prägen nicht die Veranstaltung zum Thema „Abschied vom Leben“, auf der der Arzt und Sachbuchautor Michael de Ridder sein jüngst erschienenes Buch vorstellen wird. Der Autor hatte schon in der ZEIT, im SPIEGEL und der Süddeutschen Zeitung in seinen Artikeln für mehr Offenheit und Sensibilität im Umgang mit diesem für jeden unumgänglichen Thema gefordert, er wünscht sich eine neue Medizinkultur. Nun wird er mit dem Journalisten Kai Hermann, der auf seinen Kriegs-Reportagen auch schon in Todesgefahr geriet, über das Ende, den Abschied und seine würdige Gestaltung sprechen – auch gern im Dialog mit dem Publikum. Die Moderation hat Axel Kahrs. Sonntag, den 26. November 2017, Beginn um 17.00 Uhr im großen Saal. mit...

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